Shopify-Migration ohne SEO-Verlust: Die Redirect-Checkliste
Die meisten Shops verlieren bei einer Migration keine Rankings, weil Shopify schlechter für SEO wäre. Sie verlieren sie, weil alte URLs ins Leere laufen. Shopify erzwingt eine eigene URL-Struktur, und jede Seite, die Google kennt, braucht danach ein neues Ziel. Diese Checkliste zeigt, wie wir das bei Umzügen zu Shopify angehen: vom URL-Inventar über das Mapping bis zu den ersten 90 Tagen nach dem Go-live.
Warum Rankings beim Umzug kippen
Google rankt keine Shops, sondern einzelne URLs. Über Jahre hat jede Produkt- und Kategorieseite Signale gesammelt: Rankings, Backlinks, interne Verlinkung, Klickverhalten. Bei einer Migration ändern sich fast alle Adressen. Findet Google unter der alten URL nur noch eine Fehlerseite, verschwindet die Seite mit der Zeit aus dem Index, und mit ihr die gesammelten Signale.
Die häufigsten Ursachen, die wir bei übernommenen Shops sehen:
- Fehlende Weiterleitungen: Kategorien oder Produktvarianten wurden beim Mapping vergessen, oft auch alte Kampagnenseiten mit vielen Backlinks.
- Alles auf die Startseite: Hunderte alte URLs zeigen pauschal auf die Startseite. Google behandelt solche Weiterleitungen eher wie eine Fehlerseite, weil das Ziel nichts mit dem alten Inhalt zu tun hat.
- Verlorene Inhalte: Kategorietexte, FAQ-Blöcke oder Produktbeschreibungen wurden beim Umzug gekürzt. Die URL stimmt, aber die Seite hat weniger Substanz als vorher.
- Ketten: Alte Weiterleitungen aus früheren Relaunches zeigen auf URLs, die jetzt selbst weiterleiten. Jede Stufe kostet Crawl-Zeit und Signale.
Vorher: Crawl, Benchmark, URL-Inventar
Die wichtigste Arbeit passiert vor dem Go-live. Ohne vollständige Liste der alten URLs gibt es kein sauberes Mapping, und ohne Benchmark weißt du nach dem Umzug nicht, ob etwas schiefläuft.
1. Alle URLs sammeln
Ein Crawl des alten Shops allein reicht nicht, denn er findet nur, was intern verlinkt ist. Wir führen deshalb mehrere Quellen zusammen:
- Crawl des Live-Shops, zum Beispiel mit Screaming Frog,
- die XML-Sitemap des alten Systems,
- alle Seiten mit Klicks oder Impressionen aus der Google Search Console (Export der letzten 16 Monate),
- Landingpages mit Traffic aus Google Analytics,
- URLs mit externen Backlinks aus einem SEO-Tool.
2. Benchmark festhalten
Für die wichtigsten Seiten notieren wir Rankings, Klicks, Impressionen und Umsatz je Landingpage. Dazu speichern wir die alte Sitemap. Google empfiehlt genau das: eine Liste der alten und eine der neuen URLs, damit sich der Umzug später nachvollziehen lässt.
3. Priorisieren
Nicht jede URL ist gleich wichtig. Seiten mit Umsatz, Rankings auf Seite eins oder starken Backlinks bekommen eine manuelle Prüfung. Der lange Rest, etwa alte Filterseiten ohne Traffic, läuft über Regeln.
URL-Mapping für Shopifys feste Pfade
In Shopify ist die URL-Struktur nicht frei. Produkte liegen immer
unter /products/, Kollektionen unter
/collections/, Inhaltsseiten unter
/pages/ und Blogartikel unter
/blogs/blogname/. Anpassen kannst du nur den Handle,
also den letzten Teil der Adresse. Verschachtelte
Kategoriepfade wie im alten Shop gibt es nicht.
| Seitentyp | Typische alte URL | Neue URL in Shopify |
|---|---|---|
| Produkt | /herren/schuhe/sneaker-weiss-123 |
/products/sneaker-weiss |
| Kategorie | /herren/schuhe/ |
/collections/herren-schuhe |
| Inhaltsseite | /versand-und-lieferung |
/pages/versand-und-lieferung |
| Blogartikel | /blog/pflegetipps |
/blogs/news/pflegetipps |
Worauf wir beim Mapping besonders achten:
- Handles bewusst wählen: Der Handle ist das Einzige, was du gestalten kannst. Übernimm den sprechenden Teil der alten URL, aber ohne Artikelnummern oder Kategorie-Präfixe, die in Shopify keinen Sinn mehr ergeben.
- Varianten statt Einzelprodukte: Wenn im alten Shop jede Farbe ein eigenes Produkt war und in Shopify eine Variante wird, zeigen alle alten Farb-URLs auf das gemeinsame Produkt.
- Kategorien sauber abbilden: Aus einer verschachtelten Kategorie wird eine Kollektion. Für die Navigation baust du die Hierarchie über das Menü nach, die URL bleibt flach.
- Gelöschte Produkte: Für ausgelaufene Produkte ohne Nachfolger ist die passende Kollektion das bessere Ziel als die Startseite.
- Inhalte mitnehmen: Kategorietexte, FAQs und Produktbeschreibungen müssen mit umziehen. Für Inhalte, die sich je Produkt unterscheiden, eignen sich Metafelder, wie in unserem Artikel zu Produkttyp-Templates beschrieben.
Weiterleitungen in Shopify: Import, Limits, Sonderfälle
Shopify verwaltet Weiterleitungen unter Inhalte, Menüs und dort unter URL-Weiterleitungen. Für eine Migration legst du sie nicht einzeln an, sondern importierst das fertige Mapping als CSV-Datei. Eine Vorlage für das Format bietet Shopify im Import-Dialog an. Laut Shopify-Hilfe sind bis zu 100.000 Weiterleitungen pro Shop möglich, Shopify Plus erlaubt deutlich mehr.
Die Sonderfälle, die in der Praxis am meisten Zeit kosten:
- Weiterleitungen greifen nur bei 404: Solange unter der alten URL noch eine Seite existiert, ignoriert Shopify die Weiterleitung. Wer etwa ein altes Produkt nur versteckt statt löscht, wundert sich, warum nichts passiert.
-
Feste Pfade lassen sich nicht umleiten: Die
Pfade
/products,/collectionsund/collections/allselbst sowie Tag-URLs wie/collections/schuhe/weisskann man nicht als Quelle einer Weiterleitung nutzen. -
Parameter: URLs mit Query-Strings, etwa
?sort=preisoder alte Filter-URLs, funktionieren laut Shopify nicht zuverlässig. Plane sie bewusst ein und teste sie einzeln. -
Märkte und Sprachen: Bei mehreren Märkten oder
Sprachordnern wie
/en/ist die Shopify-Doku selbst nicht eindeutig, ob eine Weiterleitung automatisch für alle Unterordner gilt. Teste deshalb für jeden Markt eine Stichprobe. - Spätere Handle-Änderungen: Änderst du nach dem Go-live den Handle eines Produkts, bietet Shopify beim Speichern an, eine Weiterleitung von der alten URL anzulegen. Lass das aktiviert und prüfe die Liste danach.
Zwei Regeln gelten unabhängig vom System, so steht es auch in der Google-Dokumentation zum Website-Umzug: Jede alte URL zeigt direkt auf ihr Endziel, ohne Umweg über weitere Weiterleitungen, und die Weiterleitungen bleiben mindestens ein Jahr bestehen. In Shopify kosten sie nichts, wir lassen sie deshalb dauerhaft stehen.
Der Go-live-Tag: Sitemap, Search Console, Tracking
Am Tag der Umstellung geht es um Kontrolle, nicht um neue Features. Unsere Reihenfolge:
- Domain umstellen und prüfen, ob die alte Domain und alle Varianten mit und ohne www sauber auf die neue Hauptdomain zeigen.
- Weiterleitungen testen: die priorisierten URLs aus dem Inventar einzeln aufrufen, den Rest per Crawl der alten URL-Liste prüfen. Jede Zeile sollte direkt auf eine Seite mit Status 200 führen.
-
Sitemap einreichen: Shopify erzeugt die
Sitemap unter
/sitemap.xmlautomatisch. Reiche sie in der Search Console ein. - Canonicals und interne Links prüfen: Jede neue Seite verweist per Canonical auf sich selbst, Menüs und Texte verlinken auf neue statt alte URLs.
- Tracking und Bestellungen: Analytics, Conversion-Tracking und Consent testen, eine Testbestellung über jede Zahlungsart.
Bleibt die Domain gleich, brauchst du das Adressänderungs-Tool der Search Console nicht. Es ist nur für einen Wechsel der Domain gedacht.
Die ersten 90 Tage: Monitoring und Notfallplan
Google braucht Zeit, um die neuen URLs zu crawlen und die alten zu ersetzen. Laut Google kann das bei mittelgroßen Websites einige Wochen oder länger dauern. Schwankungen in dieser Phase sind normal. Entscheidend ist, sie von echten Problemen zu unterscheiden.
- Woche 1: täglich die Search Console auf 404- und Serverfehler prüfen, fehlende Weiterleitungen sofort nachtragen. Hier tauchen die URLs auf, die im Inventar gefehlt haben.
- Woche 2 bis 4: Klicks und Impressionen der wichtigsten Seiten mit dem Benchmark vergleichen. Bricht eine einzelne Seite stark ein, liegt es meist am Ziel der Weiterleitung oder an fehlendem Inhalt.
- Monat 2 und 3: Indexierungsbericht beobachten. Die alten URLs sollten als „Seite mit Weiterleitung“ verschwinden, die neuen als indexiert auftauchen.
Unser Notfallplan ist bewusst einfach: eine Liste der Top-50-Seiten mit Benchmark, ein klar zuständiger Entwickler in den ersten Wochen und die Regel, fehlende Weiterleitungen am selben Tag nachzutragen. Damit lassen sich die meisten Probleme lösen, bevor sie sich auf den Umsatz auswirken.
Die Checkliste zum Abhaken
| Wann | Aufgabe |
|---|---|
| Vor dem Umzug | URL-Inventar aus Crawl, Sitemap, Search Console, Analytics und Backlinks; Benchmark der Top-Seiten; alte Sitemap sichern |
| Mapping | Handles festlegen, jede wichtige URL einem passenden Ziel zuordnen, Varianten und gelöschte Produkte klären, Inhalte mitnehmen |
| Vor dem Go-live | CSV-Import der Weiterleitungen, Stichproben im Testshop, Ketten aus früheren Umzügen auflösen |
| Go-live | Domain umstellen, Weiterleitungen per Crawl prüfen, Sitemap einreichen, Canonicals, interne Links und Tracking testen |
| Danach | Woche 1 täglich Fehler prüfen, ab Woche 2 mit Benchmark vergleichen, Weiterleitungen dauerhaft behalten |
Ob sich der Wechsel zu Shopify für dich überhaupt lohnt, klärt unser Artikel Wann eine Migration zu Shopify sinnvoll ist. Und wenn du den Umzug nicht allein stemmen willst: Bei unserer Shopify Migration gehören Inventar, Mapping und die ersten Wochen nach dem Go-live fest dazu.
Häufige Fragen zu SEO bei der Shopify-Migration
Wie lange sollte ich die Weiterleitungen nach der Migration behalten?
Google empfiehlt mindestens ein Jahr, besser dauerhaft. Alte Backlinks und Lesezeichen verweisen oft noch Jahre später auf die alten Adressen. In Shopify kosten Weiterleitungen nichts, deshalb lassen wir sie stehen.
Wie viele Weiterleitungen erlaubt Shopify?
Bis zu 100.000 pro Shop, Shopify Plus erlaubt deutlich mehr. Für eine Migration importierst du sie gesammelt als CSV-Datei, eine Vorlage dafür gibt es im Import-Dialog.
Warum funktioniert meine Weiterleitung in Shopify nicht?
Meist existiert unter der alten URL noch eine Seite, etwa ein verstecktes Produkt. Shopify leitet nur um, wenn die alte Adresse sonst eine Fehlerseite liefern würde. Auch URLs mit Parametern und die festen Pfade /products und /collections selbst lassen sich nicht zuverlässig umleiten.
Wie stark sinken die Rankings nach dem Umzug?
Bei sauberem Mapping meist nur vorübergehend. Google braucht laut eigener Dokumentation bei mittelgroßen Websites einige Wochen oder länger, um die neuen Adressen zu übernehmen. Dauerhafte Verluste entstehen fast immer durch fehlende Weiterleitungen oder Inhalte, die beim Umzug verloren gingen.
Kann ich in Shopify die URL-Struktur des alten Shops behalten?
Nein. Shopify gibt die Pfade /products/, /collections/, /pages/ und /blogs/ fest vor. Anpassen kannst du nur den Handle am Ende der Adresse. Deshalb ändern sich bei fast jeder Migration zu Shopify die URLs, und Weiterleitungen sind Pflicht.
Brauche ich das Adressänderungs-Tool der Search Console?
Nur wenn sich die Domain ändert. Bleibt der Shop unter derselben Domain und nur die Pfade ändern sich, genügen Weiterleitungen und eine neu eingereichte Sitemap.
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